Heilpraktiker für Psychotherapie Michael Ziegenbein / Praxis

Die Geschichte von Bob dem Philosophen

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Die Geschichte vom Philosophen, der glücklich sein wollte.

El viaje al la felicidad.1

von Michael Ziegenbein

Es gab einmal so eine Art von Philosoph, der in einer fernen Stadt namens Los Angeles lebte und ein sehr wohlhabender, ja sogar ein reicher und hochberühmter Mann war.2

Er war sich sicher, dass er das Geheimnis des Lebens entdeckt hatte. Er hatte sehr früh in seinem Leben schon als Kind bemerkt, daß Gedanken wahr werden können. Und je nachdem was man und wie man dachte, konnte man vom Universum (was immer das auch sein sollte) alles haben, was man sich nur vorstellen konnte. Man brauchte seine Wünsche nur in der richtigen Form an das Universum weiterreichen und das Universum beeilte sich stets, diese Wünsche sobald wie möglich, wenn auch mit einer gewissen Zeitverzögerung, Wirklichkeit werden zu lassen.

Er hatte sogar herausgefunden, daß man mit den richtigen Gedanken und Gefühlen ordentlich Geld machen konnte oder mit den falschen Gedanken und Gefühlen halt eben im Gegenteil immer ärmer würde. Ja – so war es in der Welt doch ganz gerecht eingerichtet. Die Armen waren eben arm, die Kranken krank, weil sie sich mit dem Wünschen ein bißchen blöd anstellten. Die 3 % richtig Reichen verfügten über 97 % des Volksvermögens3. Sie hatten außerdem eine prima Gesundheitsversorgung, weil sie halt kapiert hatten, wie der Hase im Universum so läuft.

So hatte er sich als Junge im Alter von 12 Jahren einmal ganz fest ein neues Fahrrad gewünscht. Nicht nur so ein normales Fahrrad sondern ein ganz besonders teures RaceBike, mit dem er seine Freunde und Schulkameraden schwer beeindrucken könnte, wenn er es denn hätte.

Nur – leider – war dieses besondere Fahrrad sehr teuer und seine Eltern waren – ebenfalls leider – mental noch nicht so besonders hoch entwickelt und im Mangeldenken verhaftet. Deshalb waren sie auch nicht besonders wohlhabend sondern eher bescheidene, beinahe arme Leute – also typisch unterer US Mittelstand.

Aber der noch jugendliche Philosoph wünschte sich dieses Fahrrad so intensiv, so stark, so leidenschaftlich, dass eines Tages von UPS ein großes Paket bei Ihnen abgegeben wurde. Und in diesem Paket war tatsächlich das ersehnte Fahrrad. Unglaublich – Aber wahr! Die Ursache für die unerwartete Zustellung lag einfach darin, daß UPS sich in der Adresse geirrt hatte, was ja immer wieder mal vorkommt.

Der Junge merkte sich diesen wundersamen Vorgang sehr gut und zog seine bahnbrechenden Schlüsse daraus. Bald wünschte er sich vom Universum einen Führerschein, dann ein tolles Auto, dann das schärfste Mädchen aus der Cheer- Leader Group der Schule als Freundin, dann einen tollen Schulabschluss, ein entspanntes Studium (Philosophie) und so weiter.

Ja, es war wirklich toll – nein – es war unglaublich! Er hielt schon als Student überall im Land sehr gut bezahlte Vorträge. Vorträge über den Trick, den er herausgefunden hatte (allerdings das Ganze etwas entschärft, denn sonst würden ja alle reich werden, die Schwarzen eingeschlossen und wer sollte dann die Drecksarbeit bei der städtischen Stadtreinigung machen?. Die Neger, die Latinos und das ganze Asiatenpack – die würden noch frecher werden, als sie es schon waren. Und erst die Kommunisten !!! Ohh Gott… )

Also – er war nicht nur erfolgreich sondern auch ziemlich clever, Bob der Philosoph.

Und er war so erfolgreich, daß er schließlich sogar zu einer wichtigen Persönlichkeit im RTC4 einer mächtigen Organisation aufstieg.

Ja – es war wirklich unglaublich. Dieser Mensch hatte in seinem ganzen Leben noch nie ein Buch ganz durchgelesen (fürs Studium reichten meist die Klappentexte). Aber jetzt schrieb er selbst Bücher haufenweise, die in großen Auflagen verkauft wurden. Er hatte so eine tolle Villa in Beverly Hills, so eine super sexy Schmusepuppe vom Film als Frau, so einen teuren eigenen Jet, und so nebenbei natürlich jede Menge teure Autos. Also schlicht einfach alles, was man sich nur so beim Universum wünschen kann.

Eines Tages nun geschah es, dass dieser Philosoph am Morgen in seinem Kingsize Luxusbett aufwachte und irgendwo in sich eine ganz leere Stelle entdeckte. Irgendsoetwas wie ein Vakuum.

Er fragte sich voller Sorge, was das jetzt sei. Irgendetwas schien ihm zu fehlen. Er knurrte und murmelte verärgert: „Ja Kruzitürkn – irgendetwas gibt es oder könnte es zumindest geben, das ich möglicherweise NICHT habe, das ich also entbehre! Kann das sein? Muß ich mir jetzt Sorgen machen?“

Und da er ja also Philosoph war und infolgedessen im Denken einiges an Übung hatte, begann er ganz tief nachzudenken.

Schließlich kam er auf die verrückte Idee, daß er zwar alles hatte, was er sich nur vorstellen konnte, aber daß er vielleicht doch nicht so ganz glücklich war. Jetzt fing er erst recht an zu grübeln, denn hatte er nicht gerade mit Riesenerfolg das Buch “10 steps to ultimate happiness” geschrieben und massenhaft verkauft?

Mit Millionenauflage, Tournee zum Signieren durch die ganzen USA? Emfang beim Präsidenten, Titelbild auf TIME (Man of the Year) und auf „The Golfers Golden Green“. Also mit dem Glück – da war er doch Experte! Oder…?

Auf dem Nachttisch hatte er speziell für neue Wünsche immer etwas zu schreiben bereit liegen.

Also nahm er sich sofort einen Zettel und den massiv goldenen Kugelschreiber und begann zu schreiben:

…Ich – Bob Proctor bitte das Universum, dass es mir bitte das ultimative Gefühl des Glücklichseins geben möge und ich fühle mich schon jetzt so, als wenn ich richtig glücklich wäre und danke bereits jetzt dem Universum für diese wunderbare Gabe. Danke! Datum! Unterschrift!

Das war für ihn reine Routine. Er legte den Zettel wieder zurück auf seinen Nachttisch und begann frohgemut den Tag, der schon mit verschiedensten Terminen Vorträgen usw. voll ausgefüllt war.

Nun – Als er am nächsten Tag nach etwas unruhigem Schlaf wieder aufwachte, fühlte er sofort in sich hinein und war nun doch etwas verwundert festzustellen, dass sich das gewünschte Gefühl des Glücklichseins noch nicht so recht – nein ! GARNICHT eingestellt hatte und das obwohl doch die Bestellung beim Universum ordnungsgemäß abgegeben worden war.

Nein – Nichts war geschehen! Also griff er sich noch einmal einen Zettel und den goldenen Wünschekugelschreiber und schrieb jetzt mit dickeren Lettern seinen Wunsch noch einmal auf – vielleicht ein bisschen nachdrücklicher formuliert aber doch immer noch voller Inbrunst und Dankbarkeit. Seit der Geschichte mit dem Fahrrad hatte das ja immer fehlerfrei funktioniert. Zugegeben – auch wegen der Schlampigkeit von UPS. Aber verbarg sich nicht das ganze Universum letztlich dahinter? Also, nicht hinter UPS natürlich, sondern hinter der ganzen Geschichte.

Als der Philosoph aus Los Angeles nun am darauf folgenden Tag wiederum aufwachte, stand neben seinem Bett auf dem Nachttisch so eine Art Öllampe. Genau so eine von der Art, von der er in seinen Vorträgen als „Alladins Wunderlampe“ immer den Leuten vorgeschwafelt hatte.

„Aha“, dachte er sich, „Na, geht doch!“

Sofort nahm er die Wunderlampe zu sich ins Bett, drückte sie an seine haarige Brust und rieb an der Lampe. Zu seiner Überraschung erschien ihm aber nicht – wie normalerweise zu erwarten gewesen wäre – ein gewaltiger dienstbarer Geist.

Nein – Iwo!

Aus den Blechlämpchen schwirrten zwei etwa schmetterlingsgroße Dschinns heraus, ziemlich putzige und flinke Geistlein, die sich bald als recht keck und sogar ein bisschen frech herausstellten.5

„Hi. Wasn los heut morgen“, piepste der eine, der andere gähnte laut los wie eine Miniaturausgabe des Löwen von Metro-Goldwyn-Mayer (Hollywood war ja schließlich nicht weit).

„Ach – da will schon wieder einer was!“, surrte der andere leicht übelaunig.

„Naaa – da schau her – da ist ja unser Philolololo…“

Jetzt endlich hatten sie ihn entdeckt, schwirrten im Parallelflug nebeneinander her und schauten ihn aus etwa 1 m Entfernung leicht amüsiert an.

„Ja, da schau her…unser großer Philosophaster will mal wieder was vom Universum. Gleiches zieht Gleiches an…der Magnetismus hat ihn wieder gepackt- die Schwingungen, ja mei. Also – mmh“ , räusperte sich der Dschinn links vor ihm – nennen wir ihn einmal Max. „Wir sind heute für dich als deine PDG´s (persönliche dienstbare Geister) eingeteilt. Na – was gibt’s Meister – Aufi gehts!“

Der Philosoph schluckte seinen urplötzlich aufkommenden Ärger vor diesem leicht respektlosen Verhalten der Dschinns herunter und verkündete selbstbewusst:

„Also – ich hatte dem Universum folgendes mitgeteilt:

Ich – Bob Procter – will glücklich sein – also so richtig glücklich. Nicht nur so reichlich wohlhabend, gesund, gut genährt und so. Nein! Ich habe höhere, ja geradezu geistige Ansprüche, ich will richtig… – also ich bin sozusagen schon richtig glücklich und ich danke euch schon jetzt für die Erfüllung aller Wünsche! Danke Universum!“

Die beiden Dschinns entwickelten trotz all ihrer Winzigkeit und Possierlichkeit eine erstaunliche Lautstärke. Sie kicherten, umkreisten sich mit rasanter Geschwindigkeit ein paarmal, wobei sie kleine silbrige Fünkchen auf ihrer Spur in der Luft hinterließen und nahmen nach einer Weile ihre ursprüngliche Beobachterposition bzw. Dienstbereitschaftsposition wieder ein.

Nein – sie kamen jetzt sogar etwas näher heran und schwebten geradewegs vor der Nase des Philosophen hin und her, auf und ab..

Der andere Dschinn – nennen wir ihn einmal unverbindlich Moritz – prustete mit seiner piepsigen Stimme los: “Sooo, Hmm, also glücklich wollen wir jetzt sein…hehe – man hat also geistige Ansprüche…sososo…“

„Quatsch!“, unterbrach ihn der Max. „Also hör mir mal zu Philosobob! Ich hätte da einen todsicheren Tipp für den Golden Magic Fond! Wertsteigerung diese Woche bis zu 5 Millionen. Davon 4 Mio von uns garantiert! Das ist doch was oder? Exklusiver Aktientip von uns! Ha! Is das nix?“

„Na…“, wischte der Philosoph den Dschinn unwillig zur Seite. Na! Versteht ihr denn nicht? Diesmal geht’s ausnahmsweise mal nicht ums Geld oder ums Prestige oder ums – na ja, ihr wißt schon… Sondern ums Glück geht’s. Also das richtige, echte, original Glücksgefühl.

Sowas was die Kinderlein in der Werbung immer haben, wenn man ihnen einen Schokoriegel hinhält oder so wie die Hunde im TV richtig glücklich bellen, wenn sie irgend so ein besonderes Hundefutter in den Futternapf reingerührt kriegen. Oder wie die Kätzchen. wenn sie ihr Futter mit Tunfisch Extra fressen und losschnurren. Sowas mein ich, eben so ein tiefes, richtiges, echtes Glücksgefühl.“

Max bohrte sich nachdenklich in der Nase, betrachtete dann sorgfältig den herausgefriemelten, winzigen Popel und grummelte nach einer Weile ein langezogenes: „Mmmm…“

Moritz flog einen Salto rückwärts und ließ wieder einen ganzen Schweif winziger goldener Sterne durch die Luft glitzern.

„Na gut…“, sangen beide im Chor. „Aber bist du sicher, dass dir das dann auch gefallen wird? Also so richtig gefallen? Meinen wir!“

Ja, der Philosoph bestand auf seinem Wunsch an das Universum und nickte ausdauernd und heftig.

„Eigentlich ist es uns ja streng verboten, Jemanden – sogar dich, oh du großer Philllosoph, vor der Erfüllung eines Wunsches zu warnen.

Bei uns im Universum kursiert nämlich seit ewigen Zeiten der möglicherweise noch ältere Spruch:

 

Wen das Universum bestrafen möchte,
dessen Wünsche erfüllt es besonders schnell, gründlich und gern
.

 

Den Spruch hab ich mir sogar auf das – also mhh – Hinterteil tätowieren lassen… „ kicherte Moritz.

Max unterbrach energisch die kleine und etwas indiskrete Ansprache seines Kollegen. „Überlegs dir doch noch mal … das mit den Aktien … das wäre doch auch nicht so schlecht oder?“

Bob wurde sichtlich ungeduldig. Er lief allmählich rot an.

„Jetzt macht mal hinne, Jungs. Ich hab heute schließlich noch was zu tun! Verdammte Scheiße!“

„Okay, Okay!“, wehrten die Dschinns Bobs aufkeimenden Wutanfall mit erhobenen Händen ab.

„Okay! Okay! Also dann…bitte, bitte“

„Ach also, hm…also denn – also gut!“

„Also – Bobby, fangen wir an…Weißt du übrigens, was deine Frau eigentlich gerade so treibt? Oder wo sie gerade ist? Dein Schnuckelchen? Dein Schnuckiputzidarling?“

Bob der Philosoph war über diese Frage ein wenig verwundert. Tatsächlich fragte er sich, wo sie denn schon wieder sei. Typisch, wenn man die Weiber braucht sind sie nicht da. Unzuverlässig! Typisch für die ganze Sippschaft vom Film…Gestern war sie doch auch nicht da, die Schlampe. Und Vorgestern…? Ja…!

Bob runzelte seine Stirn. Ja, wo könnte sie denn bloß sein?

„Sollen wirs dir sagen“, fragte Moritz leicht übertrieben zuvorkommend und dienstbereit.

„Mmh“, brummte der Philosoph. „Also wo isse denn?“

„Stell dir vor“, verkündete der Max voller Stolz. „Wir wissen es!

„Sie sitzt gerade mit ihrem Latin Lover in deinem Privatjet auf dem Weg nach Kahului. Lustig was? Sie knutschen gerade ziemlich saftig herum. Dein Schampus fließt in Strömen. Dein Pilot kann vor Lachen kaum den Kurs halten.“

„WAAAS?“ Der Philosoph setzte sich im Bett auf. „SIE FLIEGT fliegt mit MEINEM Jet nach Hawaii ? Mit ihrem was für einem komischen Lover? Mit MEINEM Piloten? Die saufen MEINEN Schampus?“

Beide Dschinns nickten freudig strahlend zu Bestätigung und vollführten voller Übermut ein paar tollkühne Flugmanöver.

Jetzt fing der Moritz wieder an: „Also, das mit den Aktien wäre vielleicht doch was…Oder etwa nicht?“

Doch Bob der Philosoph schüttelte tapfer mit dem Kopf.

„Also, ich weiß nicht, was das hier soll. Es gibt eine klare, eindeutige, korrekt vorgebrachte Bestellung, einen klaren Auftrag ans Universum. Ich will, ich werde bzw. ich bin glücklich! Ist das klar! Sofort! Danke Universum!“

„Gut…Na gut…“, nahmen die Dschinns den Gesprächsfaden wieder auf.

„Also…Hmm…weißt du eigentlich, wer in ungefähr einer dreiviertel Stunde an deinem prächtigen Villeneingang klingeln wird? Nun? Wer sich auf den Besuch bei dir schon jetzt so richtig riesig freut?“

„Nein“, murrte der Philosoph. „Wer sollte das denn schon sein?“ Ich habe den ersten Termin später, erst um zehn Uhr im Börsenclub. Ich sag dem Butler, er soll einfach nicht aufmachen!“

„Uiuiuiui…das wird aber Stress geben, wenn keiner aufmacht!

Überraschung…die Steuerfahndung kommt!!!“, jubelten beide Dschinns reichlich lautstarkt und wie zur Bestätigung ihres Übermutes sausten sie mit ein paar rasanten Kurven direkt vor der Nase des Philosophen durch die Luft.

Jetzt saß der Philosoph kerzengerade in seinem prachtvollen Bett.

„Ja ja ja ja ja!“, zwitscherten die Dschinns wie ein Schwarm angetrunkener Blaumeisen.

„Du glaubst es nicht! Sie haben einen richtig guten Tipp von deinem Schnuckiputzidarling bekommen. Und weißt du, wer auch noch mitkommt? Überraschung!!!
Die Drogenfahndung kommt gleich mit! Deine Ex hat denen gesteckt, dass du sozusagen Koks im Keller bunkerst. Wegen der Energiekrise im Universum! Ist das nicht zum Brüllen?“

Was die Dschinns jetzt für Lustbarkeitstänze aufführten, entbehrte jeglicher universalen Würde. Sie klopften sich auf die winzigen Schenkelchen, bekamen vor lauter Lachanfällen kaum noch Luft und ließen sich endlich erschöpft gluchsend auf Bobs Bettdecke fallen.

Der Philosoph war in der Zwischenzeit tiefrot angelaufen. Wütend und wie von Sinnen versuchte er die Dschinns zu erhaschen, um sie für ihre Frechheit, Respektlosigkeit, Gemeinheit… und was nicht noch alles zu fangen, zu würgen, zu zerquetschen, zu …

– Ach!

Es gelang ihm nicht.

Sie sausten laut lachend und wie von Sinnen in der Luft herum.

„Das mit den Aktien!“, schrie schließlich Bob der Philosoph voller Verzweiflung auf.

„Das mit den Aktien…das mit den AKTIEN, das machen wir…OK? OK? Hört ihr? WIR MACHEN DAS! OK! DANKE UNIVERSUM! DANKE!“

„Na! – Das ist jetzt zu spät.“, stellten die Dschinns mit übereinandergelegten Armen aus sicherer Entfernung so sachlich, so endgültig und so trocken fest, als würden sie gerade die neuen Zahlen der Arbeitslosenstatistik der Vereinigten Staaten für das vergangene Jahr verkünden.

„Na – wie jetzt! Na, na Bob – von wegen! Jetzt ist es dafür zu spät! Jetzt machst du wie gewünscht deine Reise ins Glück!“

Die Dschinns waren bei all ihrer Respektlosigkeit und reichlich unangemessenen Lustigkeit aber doch mitfühlende und grundgütige Wesen. Sie hatten, trotz ihrer Winzigkeit ein großes Herz.

Sie wollten so gern den armen Bob ein wenig aufmuntern und zwitscherten ihm zu:

„Ach, nun guck doch nicht so…! Bobbybobbybobbylein!“

„Wir haben auch was Schönes für dich! Schau mal her! Wir schenken dir einen kleinen Taschenspiegel…Guck doch mal hinein! Was siehst du denn da?“

Völlig perplex, völlig erschöpft, völlig ermattet, vollkommen willenlos nahm Bob der Philosoph den Spiegel in die Hand und blickte hinein. Nur war darin nichts zu sehen! Garnichts!

„Das ist ja gar kein richtiger Spiegel!“, murrte er schwach. „Da sieht man ja garnichts drin. So ein Scheiß Geschenk vom Universum! Kann ich drauf verzichten! Ich scheiß auf so ein mistiges Scheiß – Universum!“

„Das haben wir uns schon gedacht!“, nickte Max zustimmend. „Daß du dich nicht darin sehen kannst. Wir nennen das die Schleier der Maya. Du siehst nichts mehr von dir, weil so viele dichte Schleier der Täuschung um dich herum sind. Du wünscht dir immer alles mögliche und davon möglichst viel, bloß nie mal was Richtiges! Nur Schrott hast du dir andauernd gewünscht.

Du bist geradezu dick eingepackt, wie in einem Wintermantel, so dick als wärest du eine Mumie. Ein bißchen siehst du ja auch aus wie so eine Mumie. Und eine Mumie würde sich ja auch nicht im Spiegel sehen können, oder?“

„Aber is schon OK! Wir schenken dir den Spiegel und du hast ja in der Zukunft genügend Zeit. Wenn du zum Beispiel auf einer Parkbank übernachtest oder dich mit ein paar Straßenkötern um einen angebissenen Hamburger aus der Mülltonne herumbalgst…oder abends an Hermosa Beach die Abfallkörbe durchwühlst… Also du hast ja jetzt genug Zeit immer wieder einmal in den Spiegel hineinzuschauen. …

Und wenn du dann anfängst dich langsam darin zu sehen, zuerst natürlich nur ganz undeutlich, verschwommen, dann weißt du, du bist auf dem Weg zum Glück!. Immerhin! Ist das nicht schön?“

Die Dschinns hatten jetzt ganz glänzend rote Bäckchen bekommen. Sie jubilierten leicht schräg auf, ungefähr so wie ein von reichlich Glühwein insprierter Kirchenchor beim Weihnachtsoratorium.

„Und dann soll das also der Weg zum Glück sein?“, hauchte der erschöpfte Philosoph verbittert.

„Armut? Auf der Parkbank pennen? Müll fressen?

Wie die Gescheiterten, wie die Ahnunglosen, der Dreck der Menschheit?

Wie alle, die das Secret nicht kennen oder böswillig ablehnen, so wie die gottlosen Kommunisten?…“

„Habt ihr einen an der Kirsche im Universum? So einen bodenlosen Quatsch habe ich noch nie gehört.“

„Wißt ihr was? Ihr seid in Wirklichkeit Spinner, ihr seid in Wirklichkeit Kommunisten, gottlose Agenten, euch hat nicht das Universum sondern Osama Bin Laden geschickt, ihr seid Terroristen, ihr kommt vom IS. Ihr seid…ach, was weiß ich, was ihr seid…“

Bobs Stimme erstarb vor lauter Kummer und Schmerz.

Seine Augen wurden feucht. Zum ersten mal seit langem, eigentlich zu ersten mal in seinem Leben überhaupt, nahm er so ein seltsames, unbekanntes Gefühl in sich wahr. Es muß irgendwie soetwas wie eine Art Mitgefühl, Selbstmitleid, Trauer, ein Gefühl vollkommener Verlassenheit gewesen sein.

Es war immerhin ein richtiges, echtes Gefühl in ihm. Das war einerseits etwas ganz Neues für Bob, andererseits bei der ganzen Geschichte natürlich auch vollkommen verständlich und nachvollziehbar.

Denn das mit dem Jet, das hatte wehgetan. Und das mit der Steuerfahndung, Bob schwante Übles. Und das mit dem Koks…und dann die Organisation6 – ….ohh…es schmerzte.

Die Dschinns flogen wieder ein paar Kurven.

„Wir müssen wieder los – Bobbybobbybobbylein!. Nimms leicht! Jeder hat halt seinen persönlichen Weg zum Glück. Und du wolltest ja glücklich werden und irgendwie muss man ja damit anfangen, oder?

Und ganz wichtig: pass auf dich auf!“

Jetzt schüttelten sich diese elenden Plagegeister wieder vor Lachen.

Sie wieherten gerade zu los:„…und pass vor allem auf, was du dir wünschst. Servuuuus!“

Man glaubt es nicht. Die Dschinns wurden immer winziger, sie winkten dem Philosophen noch ein paar mal aufmunternd zu, bis sie schließlich wieder ganz in dem Öllämpchen verschwunden waren.

Die Zeit war mit dem ganzen Gewirbel der Dschinns, den großen Emotionen und der Aufregung in Bobs Schlafgemach unmerklich fortgeschritten. Es war jetzt kurz vor 9 Uhr.

Es klingelte am Eingang.

Bob stand ächzend aus seinem Kingesize Luxusbett auf.

Als er gedankenverloren seine dürren Füße in die schwarz schimmernden Pumafellpantoffeln hineingleiten ließ und dabei nicht etwa nur rein gewohnheitsmäßig „Danke“ sagte sondern vielmehr voller Inbrunst oder etwas, das er immer für Dankbarkeit gehalten hatte, hörte er aus der Ferne seiner weitläufigen Villa gedämpft, wie der Butler die Tür öffnete und etwas sagte.

Dann nahm er wahr, wie eine knurrige Männerstimme monoton und routiniert irgendetwas herunterleierte.

Er ahnte, was ihn erwartete:

El viaje a la felicidad“

 

Fußnoten

1 Spanischer Untertitel, weil man in LA an den interessanten Orten mit Spanisch besser durchkommt als mit Englisch. Außerdem wegen dem Buch von E. Punset.

2 Man könnte ihn sich so als eine Art Bob Proctor (aus dem Film „The Secret“) vorstellen. Bloß nicht so schön frisiert eher ein bißchen strubbelig, weil er ja im Bett liegt. Und nicht so brutal geschminkt, eben wegen dem Bett. Von mir auch als Rev. Dr. Michael Beckwith D.D. Oder als Dr. John Hagelin, Quantenpysiker Ph.D.A.B.M.A.(!!!) Oder….unglaublich! – Typen gibt es!

3 Angabe aus „The Secret“

4 Religious Technologie Center, LA

5 Bob hätte an die Putti von Raffael der „Sixtinische Madonna“ von Raffael erinnert werden können. Es bleibt ungewiss, ob er das im Speicher hatte.

6 bzw. die Abteilung OSA. Office of special affairs https://de.wikipedia.org/wiki/Office_of_Special_Affairs